Dryas Verlagspost Feburar 2016 - Auf Reise im 19. Jahrhundert

Dryas Verlagspost Feburar 2016 - Auf Reise im 19. Jahrhundert

Liebe Leserinnen und Leser,

die Welt zu umrunden, ist heute nichts Außergewöhnliches. Und es dauert auch keine 80 Tage mehr wie bei Jules Verne. 

Ins 19. Jahrhundert, als Reisen in der Regel noch gefährlich und zumeist auch unkomfortabel war, führt uns Dryas-Autorin Marlene Klaus mit ihrer Reihe rund um ihre Heldin Lady Gloria. Zum Erscheinen des neuen Bands "Gloria und eine ägyptische Affäre" kommt die Autorin in diesem Newsletter selbst zu Wort und beschreibt, wer die Vorbilder ihrer Gloria waren.

REISENDE FRAUEN IM 19. JAHRHUNDERT (VON MARLENE KLAUS)

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen ...“ So lautet der erste Vers des bekannten Gedichts „Urians Reise um die Welt“ von Matthias Claudius. In diesem Fall aber ist es „eine“, die eine Reise tut. Im November 1888 macht sich Lady Gloria, die Hauptperson von inzwischen zwei Romanen („Gloria und die Liebenden von Verona“ und „Gloria und eine ägyptische Affäre“), auf den Weg nach Ägypten. Kutsche, Dampfschiff und Eisenbahn sind die Fortbewegungsmittel der Zeit. Während das Reisen für Minderbemittelte eher unbequem ist, erfreuen sich die Wohlhabenderen durchaus an einem gewissen Komfort. Schon in der Mitte des Jahrhunderts bereiste Dickens in einer gut ausgestatteten Familienkutsche den Kontinent, und auch die adelige Lady Gloria logiert auf dem Dampfschiff in einer bequemen Kabine mit Waschgelegenheit und nimmt im Speisesaal der ersten Klasse ihre Mahlzeiten ein. Trotzdem: Ein wenig abenteuerlich war das Reisen seinerzeit noch immer – und es trieb dennoch nicht wenige Frauen in die Ferne.

Über diese reisenden Frauen im 19. Jahrhundert gibt es inzwischen zahlreiche Bücher. Die Länder, die sie bereisten, waren ebenso unterschiedlich wie ihre Beweggründe. Religiöse Ziele, der Wunsch nach körperlicher Heilung oder seelischer Linderung, pure Abenteuerlust oder der Drang nach Anerkennung sind nur einige. Die eine wollte dem reisenden Manne folgen, die andere den verschollenen Gemahl finden. Die eine trieb Pflichtgefühl, die andere eine innere Kraft, die sie kaum zu benennen vermochte.

Da haben wir zum Beispiel Ida Pfeiffer (1797 – 1858). Früh schon drängte es sie, „die Welt zu sehen“, wie sie in einem ihrer Bücher schreibt. Die Wienerin erlebte eine schlechte Ehe mit Geldsorgen und musste als Bürgerliche heimlich arbeiten, um ihre Kinder durchzubringen. Bei einem Familienbesuch in Triest erblickte die 39-Jährige erstmals das Meer. Da sei in ihr „eine kaum zu bewältigende Reiselust“ erwacht. Es gingen noch fünf Jahre ins Land, ehe sie 1842 im Alter von 44 Jahren ihre erste große Reise antrat. Ihr Ziel war das Heilige Land. Sie erreichte es – hoch zu Ross, obwohl sie eigentlich nicht reiten konnte. Ihr Bericht „Reise einer Wienerin ins Heilige Land“ erschien zunächst anonym und wurde ein großer Erfolg. Erst mit der vierten Auflage gab sich Ida Pfeiffer als Autorin zu erkennen. Mit dem Einkommen aus dem Buch brach sie nach Island auf. Viele weitere Länder sollten folgen.

Lady Hester Stanhope schiffte sich 1810 nach Gibraltar ein. In den folgenden Jahren bereiste sie ausgedehnt den Orient. Stanhope, eine rebellische Frau für ihre Zeit, trug Männerkleidung und wurde zur Königin der Wüste gekrönt. Die Kunde über ihre Abenteuer und Eskapaden verbreitete sich rasch in ganz Europa, Stanhopes Name wurde jedem Orientreisenden zum Begriff. Später lebte sie in einem verfallenen Bergkloster im Libanon, wo sie 1839 starb.

Für Isabella Bird Bishop (1831 - 1904) war ein chronisches Rückenleiden 1854 zunächst der Grund ihrer ersten Reise, die sie nach Nova Scotia, Boston, Cincinnati, Chicago, an die Niagara-Fälle und via Montreal nach Quebec führte. Vom Reisefieber gepackt, schiffte sie sich 1872 im Alter von 40 Jahren nach Australien ein, besuchte Hawaii, ritt tagelang durch die Rocky Mountains und hatte dort mit dem Desperado Rocky Mountain Jim ein Verhältnis. Weitere Reisen führten sie nach Korea, Japan und China.

Oder nehmen wir Jane Digby el-Mezrab, frühere Lady Ellenborough (1807 – 1881). 1853 wurde die Karawane, mit der sie in Syrien unterwegs war, angegriffen. Der Beduinenscheich Medjuel el-Mezrab schützte sie mit seinem Körper, die beiden verliebten sich ineinander und heirateten. Bis zu Janes Tod 1881 blieben sie zusammen. Eine romantische Wüstenliebesgeschichte wie aus dem Bilderbuch? Es hat sicher auch in dieser Beziehung Höhen und Tiefen gegeben, doch überliefert ist, dass Scheich Medjuel el-Mezrab beim Tod seiner Frau „einen starren Blick stiller Verzweiflung“ ins offene Grab warf.

Mary Eliza Rogers (1828 – 1910) begleitete Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Bruder nach Palästina. Durch ihn hatte sie Zugang zu den Harems und lernte dort das Leben der Frauen kennen. Sie lernte Arabisch und schrieb wie viele ihrer reisenden Zeitgenossinnen ein Buch über ihre Erlebnisse.

Alexine Tinne (1835-1869), Erbin eines niederländischen Zuckerbarons, unternahm mit ihrer Mutter 1862 eine Nilexpedition. Alexine war empört über die Unmenschlichkeit der Sklaverei. Auch sie lernte Arabisch, musste letztlich Todesfälle und das Scheitern ihrer Expedition verkraften. Sie begegnete den Tuareg und fand in der Sahara einen dramatischen Tod.

Dann wäre da noch die amerikanische Journalistin Nellie Bly (1864 – 1922), die 1889 in New York aufbrach, um die Reise aus Jules Vernes' Roman „In 80 Tagen um die Welt“ nachzuahmen. Sie reiste über England, Jules Vernes' Wohnort Amiens, Italien, Ceylon, Hongkong, China, Japan und San Francisco. Nach 72 Tagen beendete sie die Exkursion in damaliger Rekordzeit im Januar 1890. Das dürfte weltweit für Aufsehen gesorgt haben, denn Nellie Bly war die erste Frau, die unbegleitet von einem Mann eine derartige Reise unternommen hatte, was sie zum Vorbild für viele Frauen machte. Es gäbe noch viele reisende Frauen zu erwähnen, Lady Duff Gordon zum Beispiel, die von 1862 bis 1869 in Luxor lebte in der Hoffnung, ihre Schwindsucht auszukurieren. Oder Amelia Edwards (1831 – 1892), die in den 1860er Jahren Ägypten bereiste und 1882 in London den „Egypt Exploration Fund“ gründete, um professionelle Grabungen und den Erhalt der Denkmäler in Ägypten zu fördern.

Doch schließen wir den Kreis zum Anfang meines Berichts. Kehren wir noch einmal zurück zu meiner Heldin Gloria. Ich denke, in ihr steckt ein bisschen von jeder dieser Frauen. Obwohl sie zunächst nicht wegfahren will, sondern von ihrer Tante dazu überredet wird, begreift sie bereits in Italien mit seinen Farben und Gerüchen, den Zitronen und den Bauwerken, dass es lohnt, über den Tellerrand hinauszuschauen. Auch heilt das Veroneser Abenteuer ein Stück weit ihre wunde Seele. Ebenso wird ihr zweites Abenteuer in Ägypten ihr Seiten an sich zeigen, die ihr bislang verborgen waren. Sie reift zu sich selbst heran, könnte man sagen. Ebenso wie all ihre wagemutigen Zeitgenossinnen, wie man annehmen darf.

Ihre Marlene Klaus

BUCHTIPP: GLORIA UND EINE ÄGYPTISCHE AFFÄRE

Eigentlich möchte Lady Gloria Wingfield nicht verreisen. Gegen die Beharrlichkeit ihrer Großtante Jo kann sie aber wenig ausrichten und so findet sie sich im November 1888 auf dem Weg nach Alexandria wieder. In Begleitung von Lord Lyndon, der dort einen Freund besuchen möchte.

Doch der Besuch nimmt eine andere Wendung als geplant, Lord Lyndons Freund wird ermordet und Lyndon steht unter Mordverdacht. Dieser scheint sich zu bestätigen, als er auch noch verschwindet. Gloria sieht sich gezwungen, ihrem Landsmann beizustehen und eigene Ermittlungen anzustellen.

Taschenbuch, 246 Seiten; ISBN: 978-3-940855-63-3; 10,95 € [D], 11,40 € [A]
E-Book ISBN: 978-3-941408-86-9, 6,99 €

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GLORIA KENNENLERNEN ZUM SCHNÄPPCHENPREIS

Wer jetzt Lust bekommen hat, Gloria kennenzulernen, und das bisher versäumt hat, der hat bis zum 9.3. die Gelegenheit auf ein Schnäppchen.

Bis dann ist nämlich der erste Band der Reihe "Gloria und die Liebenden von Verona" als E-Book für nur 3,99 Euro erhältlich. Reinlesen lohnt sich: http://www.dryas-verlag.de/E-Books/Gloria-und-die-Liebenden-von-Verona-E....

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