Dryas Verlagspost Januar 2016

Dryas Verlagspost Januar 2016

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, Sie sind alle gut im Jahr 2016 angekommen – und wir beginnen das neue Jahr mit einem Rückblick ins England von 1811. Eine Zeit, in der Jane Austen ihren Roman „Stolz und Vorurteile“ mit dem Satz begann: „Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle, der ein beachtliches Vermögen besitzt, zu seinem Glück nur noch einer Frau bedarf.“ Heiraten in dieser Zeit war keine romantische Spielerei, sondern eine durch und durch ernste Angelegenheit, die nicht selten mit wirtschaftlichen Interessen verbunden war. Unsere Autorin Sophia Farago taucht mit ihren Büchern gerne in die Epoche des Regency ein, daher freue ich mich, dass wir sie dafür gewinnen konnten, für den ersten Newsletter des Jahres einen romantisch-unromantischen Text zum Thema „Hochzeit zur Zeit Jane Austens“ beizusteuern. Übrigens: Sophia Farago hat selbst in Gretna Green geheiratet, dem Ort, zu dem romantisch veranlagte Paare in dieser Zeit durchgebrannt sind. 

Dein Hochzeitstag im Jahre 1811 (von Sophia Farago)

Stell dir vor, du lebst in England, bist eine junge, adelige Lady und wir schreiben das Jahr 1811.

Dein Angebeteter hat dir einen Heiratsantrag gemacht? Ich kann mir vorstellen, wie glücklich und aufgeregt du jetzt bist. Ich kann mir auch vorstellen, wie glücklich und aufgeregt deine liebe Mutter jetzt ist. Für ein adeliges Fräulein ist es das oberste Ziel, unter die Haube zu kommen. Dein gesamtes bisheriges Streben war auf diesen Tag ausgerichtet. Deine gesamte Erziehung darauf, eine gute Ehefrau zu werden und ein großes Haus zu führen.

Da eine lange Verlobungszeit nicht üblich ist, findet die Vermählung bald nach dem Antrag statt. Hoffentlich wird die Schneiderin mit dem neuen Kleid rechtzeitig fertig!

Dann ist der große Tag da. Am besten gehst du am frühen Morgen in den Garten hinaus und pflückst ein paar Blumen für den Brautstrauß. Wildblumen aus der freien Natur wären natürlich auch sehr hübsch. Es ist Winter? Sicher gibt es Nachbarn, die dir erlauben, in ihrem Glashaus nach etwas Passendem zu suchen. Binde ein Band um die Blumen, am besten eines, das mit deinem Kleid harmoniert. Und vergiss nicht, Blüten in kleinen Körbchen zu sammeln, damit dir die Brautjungfern, deinen Weg aus der Kirche mit Rosen bestreuen können.

Steht die Kutsche schon bereit? Gemeinsam mit Mama und Papa und deinen beiden Trauzeugen, den Attendents, geht es nun zur Kirche. Traditionsgemäß dürfen die Attendents nicht verheiratet sein. Deine beiden jüngeren Schwestern haben sich sehr gefreut, als du sie gefragt hast. Nicht zuletzt deshalb, weil ihnen Mama für diesen Anlass ebenfalls neue Kleider hat nähen lassen. Jetzt aber schnell! Da dein Bräutigam keine teure Speziallizenz gekauft hat, muss die Trauung in deiner Heimatpfarrkirche unbedingt vor Mittag stattfinden. Und darum wartet er mit seinen Attendents schon sehnsüchtig vor dem Altar!

Wie üblich ist die Kirche spärlich besetzt. Nur eure engste Familie ist an eurem großen Tag zugegen. Deine beste Freundin hat es sich natürlich auch nicht nehmen lassen. Als Erstes schreiten deine beiden Trauzeuginnen den Gang entlang. Ihr habt euch entschieden, dass dich deine beiden Eltern auf deinem Weg zum Altar begleiten. Das ist ein schönes Gefühl. Und endlich, endlich stehst du neben deinem Liebsten. Wie gut er aussieht! Wie perfekt sein Rock sitzt, wie elegant sein weißes Halstuch geknüpft ist, wie verwegen die Frisur!

Vor Aufregung kannst du den Worten des Pfarrers kaum folgen. Dann steckt dir dein Bräutigam einen schmalen goldenen Ring an den Finger. Am liebsten würdest du ihn jetzt küssen. Aber das ist vor anderen, noch dazu an so einem heiligen Ort, natürlich absolut ausgeschlossen. Der Pfarrer würde wohl vor Entrüstung in Ohnmacht fallen. Wie sehr du dich auf die geschlossene Kutsche freust, in der du mit deinem frisch Angetrauten endlich für ein paar Minuten allein sein wirst. Du spürst, wie die Aufregung noch weiter steigt. Aber halt! Zuerst müsst ihr euch ins Heiratsregister eintragen, damit die Hochzeit für die Zukunft nachweislich festgehalten wird. Unterschreibe das letzte Mal mit deinem Mädchennamen.

So, jetzt geht es zum Hochzeitsfrühstück in dein Elternhaus zurück. Erwarte nichts Besonderes. Es gibt Eier, kaltes Fleisch und Toast, wie sonst auch. Dafür wartet dann der köstliche Hochzeitskuchen mit Früchten und Marzipan. Alle Anwesenden bekommen ein Stück. Dann werden Diener mit Tortenstücken zu den Verwandten in der Gegend geschickt, die beim Frühstück nicht dabei sein konnten. Deine jüngeren Schwestern sind kichernd mit ihren Tortenstücken nach oben verschwunden. Sicher legen sie sie unter ihre Kopfkissen, um in der nächsten Nacht von ihrem Zukünftigen zu träumen. Vergiss nicht, die Dienerschaft ebenfalls mit Torte zu versorgen, und gönne ihnen einen Punsch. Alkoholfrei natürlich, man muss es ja nicht übertreiben.

Schon steht wieder die Kutsche bereit. Ihr werdet eure Hochzeitsreise in Irland verbringen und dabei alle Verwandten besuchen, deren Landgüter am Weg liegen. So lernt ihr euch alle kennen und spart Kosten für die Übernachtung. Du wärst natürlich lieber nach Rom gereist, wo es warm und außergewöhnlich romantisch sein soll. Du hoffst inständig, dass das Scheusal Napoleon endlich besiegt wird, und ihr die Reise in den nächsten Jahren nachholen könnt. Aber nun freust du dich erst einmal auf die gemeinsame Zeit in Irland.

Buchtipp: Der Heiratsplan

England, 1811. Frederica, die älteste Tochter des verstorbenen Viscount of Panswick, träumt von einer glanzvollen Saison in London. Doch ihr Vater hat der Familie einen Berg Schulden hinterlassen. 

Um wenigstens das Anwesen Lancroft Abbey zu retten, beschließt ihre Mutter, alles auf eine Karte zu setzen. Anstelle von Frederica soll zuerst die zweitälteste und schönste Tochter Penelope in London debütieren, ausgestattet mit dem letzten Bargeld. 

Als sich Penelopes Anstandsdame das Bein bricht, übernimmt Frederica, als verwitwete Cousine verkleidet, ihren Part. Die ersten Versuche, Kontakt zur vornehmen Gesellschaft aufzunehmen, scheitern kläglich. Kann Frederica ihre Aufgabe doch noch erfüllen und einen reichen Junggesellen für ihre Schwester finden? 

Taschenbuch, 320 Seiten; ISBN: 978-3-940855-60-2
8,95 € [D], 9,30 € [A] (erscheint bei Dryas nur als Taschenbuch)

Bestseller

Cover Talisker Blues
Das Geheimnis von Benwick Castle
Cover "Günstig reisen mit Kindern"
Das Geheimnis von Digmore Park