Mord im malerischen Cornwall – Ein neuer Fall für Sandra Flemming

September 2020 von Rebecca Michéle


»Die Braut sieht rot« – Rebecca Michéle, September 2020 im Dryas Verlag

Es ist Hochsommer in Cornwall, die Hauptreisezeit. In Cornwall leben dauerhaft ca. 500.000 Menschen, während der Sommermonate kommen ca. 5 Millionen Menschen in den westlichsten Zipfel der britischen Insel. Bereits Monate zuvor sind alle Unterkünfte restlos ausgebucht, die Restaurants und Pubs überfüllt, vor den Kassen der zahlreichen touristischen Attraktionen bilden sich lange Schlangen. Zu etwa 80% lebt Cornwall vom Tourismus, andere Wirtschaftszweige sind eher gering vorhanden. Selbst viele der Farmer, die Rinder-/Schaf- und Milchwirtschaft betreiben, vermieten während des Sommers Bed & Breakfast-Unterkünfte und/oder betreiben kleine Tea Rooms. Der Anteil der Cottages und Häuser, die an Feriengäste vermietet werden, ist sehr hoch. So gibt es ganze Ansiedlungen, die außerhalb der Saison wie ausgestorben wirken, da die Häuser nur von Feriengästen bewohnt werden.

Trotzdem ist Cornwall auch im Hochsommer eine Reise wert. Abseits der touristischen Hochburgen und dem Trubel finden sich auch dann einsame Gegenden und nahezu leere Sandstrände. Da sich Familien mit Kindern vorrangig auf die breiten, langen Sandstrände mit ihren touristischen Einrichtungen konzentrieren, findet man sich auf dem Coast Path (ein Wanderweg, der sich an der Küste entlang um ganz Cornwall zieht) oft völlig allein vor. Bei solchen Wanderungen entdeckt man viele schöne Stellen von Cornwall. Hohe, schroffe Klippen, einsame Buchten und kleine Fischerdörfer, in denen die Zeit im 19. Jahrhundert stehengeblieben zu sein scheint, und die von den Touristen noch nicht überlaufen sind.

So ist der Sommer eine sehr gute Zeit für Sandra Flemming und ihr Higher Barton Romantic Hotel, in dem alle Betten belegt sind. In dem alten, im 16. Jahrhundert erbauten Haus fallen immer kostspielige Reparatur- und Renovierungsarbeiten an, was eine Menge an Geld verschlingt. Außerdem ist Sandra bestrebt, keine Saisonarbeiter einzustellen, sondern ihr Team das ganze Jahr über im Hotel zu beschäftigen. Längst sind sie alle zu einer kleinen Familie zusammengewachsen, in der sich jeder fest auf den anderen verlassen kann.

Sandra freut sich auf diese betriebsame Zeit, denn sie liebt die vielfältigen Charaktere ihrer Gäste. Unter ihnen sind Lady Claire und ihr Sohn Andrew. Überrascht erfährt Sandra, dass ihre Angestellte Imogen und der junge Lord ein Paar sind und heiraten wollen. Lady Claire weiß davon allerdings noch nichts, denn Andrew vermutet, dass seine Mutter – der er sehr zugetan ist – eine Verbindung zu einem einfachen Zimmermädchen nicht gutheißen wird. Während des Aufenthalts im Higher Barton Romantic Hotel soll Lady Claire Imogen kennen- und schätzenlernen. Als diese dann von der Beziehung erfährt, ist sie wie erwartet strikt dagegen. Ein einfaches Zimmermädchen kommt ihr nicht ins Haus! Und Andrew scheint ein Mann zu sein, der sich nur schwer gegen die Wünsche seiner Mutter durchsetzen kann.

Dann geschieht ein Mord in Lower Barton – und das Opfer sieht Lady Claire zum Verwechseln ähnlich. Alle Indizien richten sich gegen Imogen. Wer sonst, als das Hausmädchen, hätte ein Motiv, der Dame etwas anzutun, um den Weg zu ihrem Geliebten frei zu haben?

Bereits Anfang dieses Jahres hatte ich die Schreibarbeit an »Die Braut sieht rot« abgeschlossen. Damals schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Als dann die Lektoratsdurchgänge und schließlich die Fahnendurchsicht (der letzte Korrekturdurchgang, bevor das Buch in Druck geht) anfielen, hatte Corona die Welt bereits fest im Griff. Wie in vielen Ländern, so war auch in Cornwall das öffentliche Leben auf Null gestellt. Hotels, Restaurants und Pubs mussten monatelang geschlossen bleiben, den Briten war es nicht einmal erlaubt, einen kurzen Spaziergang am Meer zu machen.

Da die Handlungen der Cornwall-Krimis immer ein Jahr zeitversetzt sind, um auch aktuelle Themen einzubringen, kam es mir zugute, dass die Geschichte in »Die Braut sieht rot« im August 2019 spielt. Sonst wäre der ganze Roman nicht möglich gewesen. Durch den Lockdown wäre Sandra in große finanzielle Schwierigkeiten geraten, vielleicht wäre das Romantic Hotel sogar vor dem Aus gestanden.

Eine kleine Vorschau: Beim nächsten, dem 5. Band (erscheint im September 2021), könnt Ihr gespannt sein, wie Sandra, das Hotel und die Mitarbeiter durch die Krise gekommen sind.

Die Idee zu »Die Braut sieht rot« habe ich entwickelt, um die Verbundenheit zwischen Sandra Flemming und ihren Mitarbeitern zu schildern. In den letzten vier Jahren haben sich Sandra und alle Mitarbeiter immer wieder mit Verbrechen konfrontiert gesehen, und nur gemeinsam ist es ihnen gelungen, den richtigen Täter dingfest zu machen.

Anfänglich lässt sich Sandra auf ein Versteckspiel ein, um dem Zimmermädchen Imogen zu deren Glück zu verhelfen. Sandra hat ein gutes Herz, sie möchte, dass alle Menschen in ihrer Umgebung ebenso glücklich sind wie sie selbst. Schnell wird daraus aber ein mörderisches Geschehen, in das Sandra immer tiefer hineingezogen wird. Fest steht Sandra zu Imogen, auch wenn alles gegen sie spricht. Als überraschende Indizien auftauchen, die selbst Sandra schockieren, sind selbst ihre engsten Freunde nicht länger von der Unschuld des Zimmermädchens überzeugt.

Das Higher Barton Romantic Hotel und die Ortschaft Lower Barton sind fiktiv. Auch in diesem Band führt es die Protagonisten in reale Ortschaften wie z.B. West Looe und das zauberhafte Fowey, das einst ein bedeutender Marinehafen gewesen ist. Alljährlich im August findet in Fowey eine mehrtägige Regatta statt, die Besucher aus ganz England anzieht. Neben spannenden Regatten finden weitere Wettbewerbe statt, z.B. Kinderwagenrennen, wer fängt die größten Krabben?, Schwimmwettbewerbe im Hafenbecken und vieles mehr. Lokale und nationale Livebands spielen auf, und es gibt einen Jahrmarkt mit allem, was kleine und große Herzen höher schlagen lässt. Den Höhepunkt der Woche stellt das abschließende Feuerwerk dar, dass auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses oberhalb des Dorfes Polruan abgefeuert wird.

Für ihre Gäste organisiert Sandra Flemming eine Busfahrt einschließlich erstklassigen Plätzen in einem Pub, um die Regatta mitzuverfolgen. Sandra und Imogen begleiten die Gruppe nach Fowey. Leider endet der Tag anders, als von Sandra erhofft.

Sandra wäre aber nicht Sandra, wenn sie nicht auch diesen kniffligen Fall lösen würde. Dabei erlebt sie so manche Überraschung, und dann geschieht ein zweiter Mord …


Rebecca Michéle, 3.9.2020

Über die Autorin

Rebecca Michéle, geboren 1963 in Süddeutschland, lebt mit Ihrem Mann in der Nähe von Stuttgart. Seit über 20 Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben und hat bereits mehrere historische Romane und Krimis veröffentlicht. Mehr unter: www.rebecca-michele.de.