Revidieren, was gilt, heißt es in „Gegen die Spielregeln“

Mai 2020 von Philea Baker


London, 1874: Inmitten von Tod und sprudelndem Leben finden Sie Menschen mit all ihren Facetten, unterschiedlichster Herkunft und mit unterschiedlichsten Lebenseinstellungen. Vielleicht finden Sie sich auch selbst in dem Buch. Ich tat es, als ich es verfasste. Ein politisch-gesellschaftliches Buch zu schreiben, die Veränderungen im Schifffahrtswesen – den Übergang von Segel- zu Dampfschiffen – und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft zu beleuchten – besser, schneller, Erster sein –, das erste Aufbrodeln der Frauenrechtsbewegung anlässlich der Contagious Diseases Acts ins Zentrum zu rücken, den Lesern die Situation von Minderheiten nahe zu bringen – das war die Ambition, die mich dieses Buch schreiben ließ. Das sind viele Themen, wurde mir oft gesagt. Ja, antwortete ich dann, das ist wie in unserem Leben: Wir haben alle viele Themen, nicht nur eines. Zudem sind wir mit anderen Menschen verwoben, die ebenfalls viele Themen haben.

Fraglos habe ich mich in alle meine Figuren, in ihrem Für und Wider, verliebt – damit ist „Gegen die Spielregeln“ für mich nicht nur ein Krimi, sondern auch eine Liebesgeschichte. Das viktorianische Zeitalter ist aufgrund seiner technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen geprägt von Veränderungen. Dies war für mich das beste Terrain, um einen Krimi zu schreiben, der auf allen Ebenen unvorhersehbare Wendungen nimmt. Das Schreiben hat übrigens (unvorhersehbar) auch mein Leben verändert und geschah (ebenfalls unvorhersehbar) an vielen Orten: In Rüsselsheim, in Wiesbaden, bei einigen Freunden (Flucht vor Baulärm zu Hause), in den Niederlanden und zuletzt auch in San Francisco, Sonoma, Los Angeles, Carmel, Las Vegas und auf einer Ranch im Yosemite-Park.

Worum geht es in „Gegen die Spielregen?“

London, Juni 1874: Bei der Explosion eines Kessels auf einem Segeldampfer werden mehrere Maschinisten, ein amerikanischer Ingenieur und der Geschäftsführer einer Schifffahrtslinie getötet. Inspector Baker vom Metropolitan Police Service vermutet einen Konstruktionsfehler bei dem hochinnovativen Schiff. Am Unglücksort sieht er sich konfrontiert mit einem Halbindianer, westlich gekleidet, mit langem Zopf, der der Sohn des amerikanischen Ingenieurs sein will, ein Unglück infrage stellt und den Eindruck erweckt, dass er sich an keine Regeln hält, selbst nachforschen will. Wenig später schon wird Dynamit festgestellt. Inspector Baker ist jung. Wenige Fälle hat er gelöst, diese jedoch mit Bravour, sodass sein Vorgesetzter, Garrick Bowie, ihm vertraut. Doch seine Ermittlungen schlagen, entgegen der bisherigen Fälle, eine andere Richtung ein. Ryon Buchanan, der Halbindianer, ist tatsächlich der Sohn des verstorbenen amerikanischen Ingenieurs und agiert in eigener Sache. Und eine weitere Person mischt sich in den Fall ein: Alessa Arlington, die Nichte eines Hauptverdächtigen. Unter Druck seines Vorgesetzten versucht Baker, beide aus dem Fall herauszuhalten, damit sie seine eigenen Nachforschungen nicht stören – den einzigen, denen er vertraut. Doch beide, Ryon und Alessa, erweisen sich als hartnäckig und nehmen mehr und mehr Einfluss auf seine Ermittlungen. Ein Trio Infernale entsteht. Der Fall entwickelt sich zu einer Odyssee, mit ungewollter Nähe zu Suchenden, Verlangenden. Baker, im Londoner East End aufgewachsen und Sohn eines einfachen Polizeibeamten, sieht sich mit einem Fall konfrontiert, der ihn an seine Grenzen bringt.

Über die Autorin

Philea Baker ist das Pseudonym einer deutsch-belgischen Autorin. Sie schreibt seit ihrer Kindheit Kinderbücher, Krimis, Liebesromane, Komödien und Kurzgeschichten. 2014 veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Smilla Ericsson das Jugendbuch "Oskar Eisbein – Der siebte Kontinent" und 2015 unter ihrem früheren Namen den Kurzgeschichtenband "Nichts Neues in Wicker". Philea Baker lebt in Wiesbaden.