Wie Selina Schuster von der Grünen Fee geküsst wurde

Februar 2021 von Selina Schuster


Absinthe spielt im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts, auch Belle Époque (Schöne Epoche) oder Fin de Siècle (Ende des Jahrhunderts) genannt. Wenn man diese Namen in Kombination hört, fallen vielen Lesern bestimmt Begriffe wie die Weltausstellung, Montmartre, oder das Varieté Moulin Rouge ein. Zu letzterem dann wahrscheinlich auch sehr schnell der Musicalfilm von Baz Luhrmann mit Nicole Kidman und Ewan McGregor in den Hauptrollen. Dieser farbenfrohe Film hat mich tatsächlich dazu inspiriert, das Moulin Rouge – wenn auch in wesentlich realistischerer Form – als einen der Schauplätze für meinen Roman zu verwenden und das bunte Treiben zu beschreiben. Ausgangspunkt für meinen Roman Absinthe war allerdings nicht, wie man jetzt vielleicht vermuten könnte, eine ausgedehnte Reise nach Paris. Nein, es war eine gar nicht mal so ausgedehnte Reise in eine gänzlich andere europäische Metropole, die mich zu der Geschichte inspiriert hat.Nämlich nach Prag.

Die Goldene Stadt ist weithin bekannt für ihr mittelalterliches Stadtbild, die vielen Kirchen und die Prager Burg. Prag ist jedoch eine wahre Schatzkiste für alle Freunde des Jugendstils und Art Déco. Von Bomben während des 2. Weltkrieges beinah komplett verschont geblieben, finden sich viele herrliche Jugendstilbauten in Prag. Unter ihnen befindet sich auch das Café Slavia.

In eben dieses Café verschlug es mich während meines Urlaubs in Prag und man fühlt sich, sobald man über die Schwelle tritt, gleich wie in eine andere Zeit zurückversetzt. Bekannt ist das Café Slavia allerdings vor allem wegen eines Einrichtungsgegenstands: das Gemälde »Der Absinthtrinker« des tschechischen Malers Victor Oliva, welches als Original seit über 100 Jahren an der Wand des Cafés hängt. Das Bild zeigt das Café Slavia im Jahre 1901. An einem seiner Tische sitzt ein abgebrannter Mann, der ins Nichts starrt. Auf der Kante seines Tisches sitzt eine nackte, grüne Frau – die grüne Fee, der personifizierte Absinth.

Das Bild hat mich sofort fasziniert und die Ideen begannen im wahrsten Sinne des Wortes zu sprudeln. Das Bild zeigt eindrucksvoll, welche Schäden – sowohl physisch als auch psychisch – diese damalige Modedroge angerichtet hat, aber auch, wie sehr sie mit der Kunst dieser Zeit verbunden ist. Eben diese Verbindung wollte ich in meinem Roman zeigen.

Über den Autor

Selina Schuster, geboren 1988, lebt am östlichen Rand des Ruhrgebiets, zusammen mit ihrem Mann und einem dicken, roten Kater, der gerne auf Papierstapeln liegt. Nach ihrem Studium der Anglistik, Germanistik und Geschichtswissenschaften arbeitet sie als Lehrerin und ist zudem als Übersetzerin und Autorin tätig. Neben diversen akademischen Veröffentlichungen im Bereich englischer Literaturwissenschaften sowie Geschichtswissenschaften sind ihre Werke vor allem den Bereichen Historie und Mystery zuzuordnen.